Über 150 Jahre

Alte Große Uckerather KG Remm-Flemm

1860 - 2017

Mitglieder 2009

1860 wurde der Karnevalsruf und der Gesellschaftsname „Remm-Flemm“
ins Leben gerufen.
Sie sind und werden in Deutschland und in der übrigen Welt einzigartig bleiben.

Remm-Flemm Gründungslied

(wiedergefunden 1960)
Melodie: Et Schnüsse Tring von Joseph Roesberg

Hürt es, wat ech öch verzällen,
Wat zo Oeckeroth es passiert.

Sossen en Partie Gesellen,
eines Ovends bei em Wiet.
Do sät einer: He ür Jongen,
fresch e Ledche noch gesongen.
On mir gründen Knall on Fall,
dann dä schüne Karneval.

Jo, Hurrah, jo dat soll gelden,
hesch et wie us einer Mul.
Dröm, lot rasch jetz an us melden,
dat dat Dengen net wied fuhl.
On dä Name von däm Kend,
kann öch sage, wer es blend.
Er heisch Remm Flemm jederzeck,
wat Eintrach on Lieb` bedöck.

Die Statute no zo machen,
wor die nächste Arbeit jetz.
Dorenn es och jet zom Lachen,
n` rechte Oeckerodder Wetz.
Statt dem Grösse sät mer Remm,
on als Antwort heisch et Flemm.
Wer dat deit vergessen eis,
demm se Portmonaie löt Schweiss.

Och doran lot us jetz denken,
dat mer Oeckerodder senn.
Die net gän den Andere kränken,
on den Anstand halen en.
Emmer einig welle mer all,
ohne Streck on ohn Kraball.
Flägen die Gemütlichkeit,
dann han mir die meiste Freud.

No zom Schluss dat Glas gehevven,
eh mer usenander gohn.
Hoch dä Remm Flemm, dä sall levven,
drop en freschen Zog gedon.
Lot die Gläser löstig klengen,
on dem Remm Flemm lot us sengen.
Er sall levven fott on fott,
en dem schünen Oeckeroth.

155 Jahre KG "Remm-Flemm"

Der älteste im Bereich Uckerath bestehende Verein ist die Karnevalsgesellschaft „Alte Große Uckerather Karnevalsgesellschaft "Remm-Flemm" von 1860 e.V.. Sie ist eine der ältesten Karnevalsgesellschaften im gesamten Rhein-Sieg-Kreis und wurde 1860 gegründet.

In damaliger Zeit wurden allenthalben im Lande Vereine ins Leben gerufen, die allerdings meist als „Not-Hilfe-Vereine" in Notlagen solidarisch Hilfe bringen wollten und sollten. Im katholischen Rheinland wurden in vielen Orten und Städten in dieser Zeit Karnevalsvereine begründet, so auch in Uckerath.
Einige Männer - natürlich Männer, wie es zur damaligen Zeit üblich war - setzten sich in der Gastwirtschaft Jonas (später Giepen und Riedel als Pächter, heute Wohnhaus von Hans-Peter Limbach, Westerwaldstraße 168, zwischen Schreibwaren Crombach und Westerwald-Grill) in der Absicht zusammen, einen Verein aus der Taufe zu heben, der es sich zur Aufgabe machte, das Volksbrauchtum Karneval in seiner kulturhistorischen Bedeutung und unserer Heimat eigenen Art zu hegen und zu pflegen. So heißt es auch später in der Satzung, die der „Remm-Flemm" erst 100 Jahre nach der Gründung, also 1960 im Januar, beschlossen hat.

Die karnevalsbegeisterten Uckerather Herren von 1860 waren
> Karl Löven,
> Karl Kaufmann,
> Matthias Klein und
> Karl Meis.

Sie bildeten auch den ersten Vorstand der Gesellschaft.

Man kannte also in Uckerath schon lange vor 1860 den Karneval und feierte entsprechend in der Zeit vor dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit vor Ostern. Denn Uckerath beherbergte seit eh und je ein lustiges Völkchen, das es bestens verstand zu feiern.
Der langjährige Präsident und heutige Ehrenpräsident Hermann Schneider (er hat eine Menge Informationen, mündlich und schriftlich, dankenswerterweise weiter gegeben) teilte am 27. Februar 1978 in einem Schreiben an den Bund Deutscher Karneval zum „25 Jahre im Dienste des Karnevals" mit, dass ab sofort auch in Uckerath organisierter, geplanter Karneval wie in Köln und anderen rheinischen Städten und Dörfern angeboten und gefeiert werden soll.
Eine Vereinsfahne wurde angeschafft. Ein Name für die Karnevalsgesellschaft sowie ein Karnevalsruf, wenn man so will ein „Schlachtruf" mussten gefunden werden. Da man eben ein eigenwilliges Völkchen in Uckerath war, wollte man den Kölner Ruf „Kölle Alaaf" nicht abgewandelt auf Uckerath übernehmen.

So kam es dann zur sagenhaften, anekdotenhaften Findung und Ergreifung des Namens und Karnevalsrufes „Remm-Flemm"! Alfred Englaender, der zuletzt in Bierth gewohnt hat, schrieb etwa 1970 unter der Überschrift

"Die Geburt des Remm-Flemm in Uckerath":

Damals wurde bei Jonas in Uckerath der Gesellschaftstitel geschossen! Der Name wurde im heute nicht mehr existierenden Lokal Jonas im wahrsten Sinne des Wortes „aus der Luft geholt". Die Rundbank um den großen Tisch, über dem eine riesige gemütliche Petroleumlampe brannte, war von den „Popos" der Biertrinker in vielen Jahrzehnten blankgesessen und kam der „Frohgeburt" des Namens sehr entgegen. Peter Engländer, der Großvater von Alfred Engländer, der Landarzt Dr. Cremer, die Herren Ellingen und wer sich sonst noch zur Bierprominenz in Uckerath zählte, trafen sich abends zum Stammtisch im Lokal Jonas. Dabei wurde nicht nur getrunken, erzählt und gelacht, sondern auch mancher Unsinn und Streich ausgedacht. Es gab nur Schnäpse und Flaschenbier mit „Kellerkühle". Man saß ohne Hetze und ohne Stress gesellig und lustig zusammen und spielte Karten, „Sibbeschröm", „Doppelkopf" oder „Herzblättchen" Bei solchen Sitzungen ging es aber auch derb und ungeniert zwanglos zu. Wer zuviel Luft binnen hatte, also „furzen" musste, ließ „einen fliegen“. Der Arzt Dr. Cremer sprach dann immer sein klassisches Lieblingsrezept zur Erhaltung der Gesundheit: „Die Luft ist besser in der weiten Welt als im engen Bauch!" Je nach Fortschreiten des Abends und der Stimmung geschah das „Furzen" immer unbekümmerter und möglichst laut. Während solcher gelegentlichen Betätigung drosch man die Karten. Ab und zu legte sich dann einer zur Seite und rief dazu - gleich dem "Prost" beimTrinken - lang gezogen: "Rrräämmmmm!" Von den Mitspielern hörte er dann als laute und prompte Antwort und Gegengruß: "Flläämmmm!" Dieser Stammtischbrauch wurde auch bei anderen Gästen des Lokales Jonas nachgeahmt und gepflegt.
Die Begründer der neuen Karnevalsgesellschaft hatten wohl ebenfalls Spaß an diesen „Grußrufen" und kamen deshalb auf die Idee, das „Remm-Flemm" als Karnevalsruf zu übernehmen und in den Namen der Gesellschaft einzufügen.

So kamen der Karnevalsruf und der Gesellschaftstitel „auf die Welt". Sie sind und werden in Deutschland und in der übrigen Welt einzigartig bleiben.

So wurde Alfred Englaender diese „Geburtsschuss"-Geschichte von seinem Vater und seinem Onkel, den Söhnen des Peter Englaender überliefert.

Der frühere und erste Ehrenpräsident vom „Remm-Flemm", Wilhelm Derenbach - genannt „Der Meister" - ein Uckerather Original und Humorist, hat Herrn Alfred Englaender diese „Entstehungs"-Geschichte oft lachend bestätigt.

Es gibt noch eine zweite Version der Entstehung und Deutung des „Remm-Flemm":

In der Zeit vor der Gründung der Gesellschaft, also 1860, gab es in Uckeraths Gaststätten zu vorgerückter Stunde und Stimmung als Unterhaltung und Erheiterung der Umstehenden das „Fürze-Anstecken": „Furz-Knall" gleich „Remm" und „Anzünden, Flamme (flammen)" gleich „Flemm".

Die dritte Version über die Entstehung mit Deutung besagt:

Die am Pferdefuhrwerk angebrachte „Bremse" heißt im Dialekt „Remm". Eine an der Fuhrmannspeitsche angebrachte „Flömm" wird „Flemm" genannt.
„Remm" bedeutet: bremsen, die Fahrt verlangsamen: Das gute Alte, die Tradition bewahren. „Flemm" bedeutet antreiben, die Fahrt beschleunigen: Für das Neue, Moderne aufgeschlossen, offen sein.

Eine vierte Version berichtet,

dass ein Warther aus Hennef einen Uckerather fragte, was denn „Remm-Flemm" zu bedeuten habe. Der Uckerather, bestimmt ein Karnevalist und Schalk, hat schlagfertig dem Frager geantwortet: "Remm" bedeutet Uckerather Gemütlichkeit und „Flemm" Liebe.

Beide Worte haben sich in über 140 Jahren in Wort und Bedeutung gehalten und bewahrheitet. Seit 140 Jahren haben die Uckerather Karnevalisten in der Karnevalszeit in Gaststätten und Sälen, auf Plätzen und Straßen, bei Sitzungen und Karnevalsumzügen in Uckerath oder in anderen Städten und Dörfern laut und kräftig mit dreimal „Remm-Flemm" gegrüßt. Sie rufen dieses „Remm-Flemm" auch heute immer wieder und bestimmt auch noch in der Zukunft lange Zeit weiter.

(Paul Ennenbach)